Der Hass der Post-68er-Generationen

Hass-Post-68er-GenerationenDie sogenannten 68er sind erfolgreich durch die bundesdeutschen Institutionen marschiert und konnten einflussreiche Positionen in der Meinungsindustrie kapern. Insbesondere ihr Ideologem der Selbstverwirklichung hat seit 1968 eine gesellschaftliche Breitenwirkung erlangt. Denn es wird heute von konsumfreudigen Hedonisten sowie politisch korrekten Postmaterialisten und karrieregeilen Workaholics gleichermaßen praktiziert. Wer aber die Post-68er-Generationen politisch gänzlich verstehen will, kann sie nicht auf einen Kult der Individualität reduzieren. Auf der Palette ihrer Lebensgefühle nimmt nämlich – wie bei den Kulturrevolutionären – der Hass einen beträchtlichen Platz ein.

Der Propaganda-Feldzug der Kulturrevolutionäre

Frank Böckelmann, der ein bedeutendes Mitglied der „Subversiven Aktion“ war, gesteht heute in seinem Buch Jargon der Weltoffenheit, dass es sich bei dem Selbstverwirklichungsgehabe der 68er um eine krude Mischung aus utopischer Entfremdungskritik, deutscher Existenzphilosophie und französischem Existenzialismus handelte. Dieses ideologische Gebräu sei nicht unbedingt links im klassischen Sinn gewesen. Dennoch tönten seine Propagandisten „irgendwie links, in ihrer jugendlichen Aufsässigkeit, in ihrer Entschlossenheit, mit allen bestehenden Normen und Tugenden (Fleiß, Gehorsam, Zuverlässigkeit, Treue) aufzuräumen.“ In der Selbstverwirklichung der 68er formierte sich vor allem ein anti-autoritärer Affekt gegen alles Ordentliche, Disziplinierte und Höfliche.

Wesentlich radikaler als die Aversion gegen althergebrachte Konventionen und Respektpersonen war jedoch der „nachholende Antifaschismus“ (Norbert Bolz) der Studentenrevolte. Schnell schlug nämlich die moralische Anklage der „Nazi-Väter“ in einen abgrundtiefen Hass auf alles Deutsche um. Dass die Nationalsozialisten den Volkstumsgedanken pervertiert haben und dieser somit nicht per se verwerflich ist, übersahen die 68er allerdings in ihrem antifaschistischen Furor. Nichtsdestotrotz gelten seither demokratische Begriffe wie Volk und Vaterland in der öffentlichen Debatte als kontaminiert.

Studenten-WG-Maobueste

Studenten-WG 1970 mit Maobüste

Darüber hinaus waren die Wohlstandsrevoluzzer vollkommen blind für die Gräueltaten des von ihnen angehimmelten Mao Zedong, dessen „Kulturevolution“ laut Schwarzbuch des Kommunismus 65 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Das große Vorbild beging damit den wohl größten Massenmord der Geschichte. Eine aufrichtige und ehrliche Aufarbeitung ihres symbolischen Schulterschlusses mit dem blutrünstigen Diktator haben die 68er bislang jedoch nicht geleistet.

Stattdessen wurde für sie das Holocaustgedenken zu einem unantastbaren „Heiligtum, das aus allen Sinnkrisen und Sinnruinen des Jahrhunderts herausragt und ihnen den letzten, über den Nihilismus der Postmoderne erhabenen Halt gibt“ (Peter Furth). Vor diesem Hintergrund erklärte Joschka Fischer mit politisch-theologischem Übereifer Ausschwitz zum „Gründungsmythos“ der Bundesrepublik. Als „Profiteure einer Schande“ (Frank Lisson) vollzogen die 68er somit den entscheidenden Schlag zur Erlangung der politischen Deutungshoheit in Deutschland. Denn nun konnten sie jene Positionen in wichtigen Politikbereichen wie Einwanderung, nationalstaatliche Souveränität und deutsche Identität tabuisieren, die nicht den Maßregeln ihrer zivilreligiösen Geschichtspolitik gehorchten.

Vom politischen Exzess zur Spaßgesellschaft?

Aber schwindet der Einfluss der 68er denn nicht allmählich, da sie jetzt ihren Lebensabend mit gut dotierten Renten genießen und nur manchmal ein wenig über das mangelnde „politische Engagement“ der jungen Generationen lästern? Außerdem koaliert die grüne Partei, die im Wesentlichen ein Ausfluss der 68er-Bewegung ist, doch schon seit längerem in einzelnen Bundesländern mit der einstmals als „bürgerlich“ verachteten CDU.

Freilich sind die Post-68er keine reinen Replikationen der Dutschkes, Baaders, Ensslins, Teufel und Langhansel. Ihre Selbstverwirklichungsattitüde ist nicht strikt anti-autoritär ausgerichtet, sondern tritt je nach Milieu und Bildungsgrad als vulgärphilosophische Lebenskunst, konsumistisches Spaßhabenwollen oder karrieristische Selbstoptimierung auf. Gemeinsam ist diesen Derivaten aber der Wunsch nach unbedingter Selbsterfüllung, daran erkennt man quasi noch ihre kulturrevolutionäre Herkunft.

Während sich das Ideologem der Selbstverwirklichung in der Nach-68er-Ära mit Postulaten des Konsumismus und Neoliberalismus amalgamierte, schwelt indes der deutsche Selbsthass ungetrübt als ein Erbe der Kulturrevolution fort. Gewiss sind die meisten Post-68er keine aufrührerischen Antifaschisten, Marxisten oder Maoisten. Aber der gegenwärtige Hass auf jene, die deutsche Interessen angesichts von Migrationsdruck aus Afrika und dem Orient oder aus purer Selbstverständlichkeit wahren wollen, ist eine Fortsetzung des deutschen Selbsthasses der Kulturrevolutionäre in Form einer neueren Ideologie: der Political Correctness.

Die Political Correctness – eine perfide Hassideologie

Herbert-Marcuse-Political-Correctness

Herbert Marcuse

In den USA ist die Political Correctness – deren Ursprünge im Kulturmarxismus der Frankfurter Schule liegen – zunächst ein Campus-Phänomen. Mittels Sprachcodes, Gruppenidentitätszuschreibungen und Trainingscamps für „sensitivity“, „awareness“, „anti-sexism“ und „diversity“ wird im Namen der Political Correctness ein Kampf nicht etwa für die Gleichheit, sondern die Privilegierung von Minderheiten geführt. Und dieser hochideologische Kampf richtet sich in letzter Konsequenz gegen den weißen heterosexuellen Mann und die traditionelle Kultur des Westens. Norbert Bolz bemerkt dazu:

In der Vergangenheit diskriminierte Gruppen sollen durch positive Gegendiskriminierung Wiedergutmachung erfahren. Und weil Freiheit für die Politische Korrektheit ein Nullsummenspiel ist, müssen dafür die weißen Männer büßen. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. Das ist der Sieg von Herbert Marcuse über John Stuart Mill.

Ausgehend von den Universitäten hat die Political Correctness seit den 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten zunehmend ihren Herrschaftsbereich erweitert. Bannerträger der Political Correctness ist dort heute auch das liberale Establishment, das sich jedoch um das Prinzip des klassischen Liberalismus auf uneingeschränkte Meinungsfreiheit – vorzüglich dargelegt in Mills Essay On Liberty – einen Dreck schert. Denn jeder, der eine Meinung äußert, die nicht in das ideologische Raster der Political Correctness passt, wird rigoros zum Hassobjekt erklärt.

Der deutsche Selbsthass als Folge der Kulturrevolution

Anfang der 1990er Jahre schwappte die Political Correctness über den großen Teich nach Deutschland. Mit ihr füllte die von den 68ern geprägte Linke eine ideologische Lücke, die für sie nach dem Ende des Kalten Krieges entstanden war. deutscher-selbsthassDie deutsche Linke transformierte den klassentheoretischen Humanismus, den sie nun aufgrund der neuen politischen Verhältnisse als obsolet erachtete, in einen gesinnungsethischen Universalismus der Menschenrechte. Dazu richtete sie den feindseligen Minderheitenkult der Political Correctness an den deutschen „Tabus des Antifaschismus und des Antirevisionismus“ aus. Was das machtvolle linke Milieu – das sich parlamentarisch in Gestalt der Partei Bündnis90/Die Grünen präsentiert – seitdem „am haßvollsten verfolgt, ist die Voreingenommenheit für das Eigene“ (Peter Furth).

Der deutsche Selbsthass der 68er konnte an die nachfolgenden Generationen übertragen werden, indem er ein fundamentaler Bestandteil der vorherrschenden Political Correctness wurde. Potentielle Infektionsherde für den als politisch korrekt geltenden Hass auf das Eigene bilden für die Post-68er die Populärkultur, das Bildungssystem, das politische Feld und die wirkungsmächtigen Mainstream-Medien. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger stellt zur politischen Präferenz der tonangebenden Journalisten fest:

Worin der mediale Mainstream tatsächlich rot-grün oder vielmehr grün ist, kann am ehesten mit `pluralistischem Relativismus´ umschrieben werden: Multikulturalität und Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz, Gleichstellung und Minderheitenschutz, Antidiskriminierung und Gender Mainstreaming – und gleichzeitig Ablehnung und Bekämpfung von allem, was in diesem Sinne nicht `politisch korrekt´ ist.

Glücklicherweise gibt es jedoch außerhalb des politisch korrekten Mainstreams noch geistige Enklaven, in denen sich Menschen einen realistischen Blick auf die Verhältnisse bewahren konnten. Von dort muss gezielte Aufklärung über die Zersetzungsideologie der Political Correctness und den tödlichen Hass auf das Eigene ausgehen.

 

Literatur:

Böckelmann, Frank: Jargon der Weltoffenheit, Leipzig, 2014

Bolz, Norbert: Die Sinngesellschaft, Berlin, 2012

Bolz, Norbert: Die ungeliebte Freiheit, München, 2010

Courtois, Stéphane u.a.: Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München, 1998

Furth, Peter: Kategorielles zur Political Correctness, in: ders.: Massendemokratie, Berlin, 2015

Furth, Peter: Verweigerte Bürgerlichkeit – Motive, Mythen, Folgen der 68er Kulturrevolution, in: ders.: Troja hört nicht auf zu brennen – Aufsätze aus den Jahren 1981 bis 2004, Berlin, 2006

Krüger, Uwe: Mainstream – Warum wird den Medien nicht mehr trauen, München, 2016

Lisson, Frank: Widerstand – Lage, Traum, Tat, Schnellroda, 2008

2 thoughts on “Der Hass der Post-68er-Generationen

  1. Wolfgang Schütt

    Bravo! Gut geschrieben, und zuvor gut analysiert. Das geistige Pendelum schlug ab 1968 ins extreme Antideutsche, nachdem es zuvor ins extreme Prodeutsche bis 1945 geschwungen hatte, dann nach 1945 erst mal beim Zurückschwingen durch die Besatzer aufgehalten worden war. Im Grunde findet jetzt das erneute Zurückschwingen statt.

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